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Andreas Okopenko

Rauschangriff und Lasterfahndung
Zwei Fälle

"Rauchen" meint bekanntlich bei den Haschern das Paffen eines Joints, und daß Riki stichprobenweise abgehört wird, ist ja im Zuge der flächendeckenden Fahndung klar; sie hat doch vor 25 Jahren an einer Frauendemo teilgenommen, und der Gstasi entgeht sowas nicht. Ab dem fatalen Bekenntnis zur Marlboro light erfolgt das Abhören rund um die Uhr, und im PC wird das Programm mit allen Fachausdrücken der Rauschgiftkunde und dem gesamten Jargon der Giftler vom Shit und Gras bis zum Schnee und roten Kittel und faulen Schaß aktiviert. Die EDR hat Riki den totalen Rauschangriff erklärt.


Die Lasterfahndung
Der betagte Chemielehrer Davidl, dessen Humor, wie aus diversen Aktionen und Veröffentlichungen bekannt, erst dort Grenzen hat, wo die Pharmaindustrie schwört, wie gesund auch noch die Abwässer ihrer Heilmittel sind, bringt im übrigen gern seine Mitmenschen zum Lachen und zugegeben manchmal auch seine Berufskollegen zu einer kleinen Temperaments-Explosion. Diesmal wollte er, ich weiß nicht, zum Weihnachtsfest oder zum Tag der militärischen Stärke, wie der 1.Mai jetzt NATOweit und wohlgefeiert heißt, seinem stets auf guten Ruf bedachten pensionierten Direktor ein wahrliches Überraschungspäckchen bereiten und ließ sich deshalb vom Sexshop Kabhushragi eine kleine aber komplette Aufblaspuppe und zwei Austropornos schicken (VHS-Videos "Die andere Romy" und "Die Tuttelfürstin"). Der Teufel schläft nicht. Davidls Bestellung bei Kabhushragi landet dank Davidls pharmarebellischer Vorgeschichte und europäischer Vernetzung im Computer der Lasterfahndung, und von nun an fühlt er ungewohnt scharfe Blicke des Hausbesorgers und allerhand sonst in der üblichen Teilnahmslosigkeit von Gemeindebaunachbarn befangener Hausparteien auf sich gerichtet, die von der Gstasi diskret aber intensiv um Beobachtungen rund um Davidl gebeten werden. Das Puzzle nimmt mehr und mehr Gestalt an, leider fehlt noch die entscheidende handschellenschlüssige Auskunft, ob er zu diesem oder jenem Mädchen auf dem Weg zum Kindergarten besonders freundlich gewesen ist.

[kolik ]